Entleeren und Abfördern
Big Bag-System als wichtiges Bindeglied zwischen Rohwareneingang und Produktion

Big Bag-Entleerstationen gehören zwar nicht zu den komplexesten Anlagenteilen, jedoch kann das Handling anspruchsvoller Produkte schnell zur Herausforderung werden. Dazu zählen vor allem Schüttgüter, die zu extremer Staubbildung neigen oder abrasiv wirken – oder sogar beides zusammen. Mit dem richtigen Konzept gelingt dies sicher, effizient und vor allem… staubdicht und verschleißgeschützt.

Bei der Entleerung von Big Bags geht es im Wesentlichen um zwei Aspekte: Die möglichst einfache Handhabung und Entleerung der Gebinde (Entleerfunktion) sowie die Abförderung der Rohstoffe zum Produktionsprozess (Verteilfunktion).

Und wie bei allen Komponenten für das Handling von Schüttgut müssen auch Big Bag-Anlagen mit Blick auf Ausstattung und Funktion an die Eigenschaften des jeweils zu verarbeitenden Produkts und die Prozesswelt des Kunden angepasst werden. Für eine bedarfsgerechte Turnkey-Anlage Kunden von Engelsmann auf eine breite Palette miteinander kombinierbarer Komponenten zurückgreifen: Austragshilfen, Schneckenförderer, Förderbänder, Zellenradschleusen oder anderes Förder- und Dosierequipment.

Kompakt und staubdicht: Big Bag Entleersystem mit Abförderung als geschlossenes System.

Der Reifenhersteller bezog den Rohstoff Silica ausschließlich in größeren Containern. Silica ist weiß, granulatförmig und wirkt leicht abrasiv. Wie viele andere Schüttgüter neigt auch Silica zu Staubbildung, wenn man es in Bewegung versetzt.

Um bei kleineren Chargen flexibler zu sein, wollte der Hersteller zusätzlich Big Bags nutzen.

Geplant wurde hierfür eine kombinierte Anlage aus zwei Big Bag-Entleerstationen, die den begrenzten Platzverhältnissen in der Produktionshalle Rechnung trägt und dem Bedienpersonal genug Raum bietet, die Anlage einfach und vor allem sicher bedienen zu können.

Der eigentliche Entleerprozess soll eine restlose Entleerung der Big Bags sicherstellen, um unnötige Materialverschwendung zu vermeiden. Da das Produkt nach seiner Entleerung zunächst in einen bereits vorhandenen Wiegebehälter gefördert wird, mussten beide Entleerstationen im unteren Auslaufbereich mit geeignetem Förderequipment ausgestattet werden, um das Material optimal dem nachgelagerten Produktionsprozess zuführen zu können.

Aufgrund der abrasiven Eigenschaft von Silica wurde die gesamte Anlage mit Blick auf die eingesetzten Werkstoffe verschleißgeschützt ausgeführt, um die Stillstandszeiten durch Wartung sowie den Ersatzteilbedarf auf ein Minimum zu reduzieren.

Staubdichte Ausführung für sicheren und rückstandsfreien Produktfluss. Besonders wichtig war dem Kunden, dass sowohl die beiden Big Bag-Entleerstationen als auch die eingesetzte Fördertechnik den staubfreien Betrieb ermöglichen.

Die beiden Big Bag-Entleerstationen stehen nebeneinander auf einer Bedienbühne mit Treppenaufgang und seitlichem Geländer. Für die stabile Befestigung auf dem Hallenboden wurden die Stützfüße mit Fundamentauflageplatten versehen. In die Grundgestelle wurde eine Kranbahn mit Kettenzug integriert, die seitlich über das Gestell hinausragt. So können Big Bags neben den Stationen aufgenommen und per Fernbedienung zur Entleerung in die Vorrichtung eingebracht werden. Die beiden Ladegeschirre verfügen über je vier Sicherheitslasthaken zum Einhängen der Big Bag-Schlaufen. Die Haken sind von Druckfedern geführt, so dass die Behälter während des Entleerprozesses automatisch nachgestrafft werden.

Die Entleereinheiten bestehen zudem aus einem Vorlagetrichter mit handbetätigtem Dichtteller. Mittig im Trichter befindet sich das Produktführungsrohr zum Einspannen des Big Bag-Auslaufs. Durch Verfahren des Dichttellers wird der Big Bag sicher und staubdicht fixiert. Zur Behälterentstaubung wurde ein Stutzen mit passendem Patronenfilter angebaut. Seitlich an den Trichtern befindet sich eine Konsole, an die bei Bedarf ein Rollenvibrator als Fließhilfe nachgerüstet werden kann. Zur Unterstützung des Entleerprozesses wurden beide Big Bag-Stationen mit einer pneumatischen Walkvorrichtung ausgestattet, die dafür sorgen, dass die Big Bags schnell und restlos entleert werden.

Herzstück der Anlage: Entleertrichter mit Dichtteller und Walkvorrichtung zur staubfreien und restlosen Entleerung der Big Bags.

Alle produktberührenden Komponenten wie die Vorlagebehälter der Entleereinrichtungen oder die Schneckenförderer sind für eine möglichst rückstandsfreie Produktförderung in hochwertigem, widerstandsfähigem Edelstahl ausgeführt.

Unterhalb der beiden Vorlagetrichter wurde je ein Schneckenförderer in Schrägstellung montiert, der als Sammelschnecke fungiert. Beide Sammelschnecken fördern das Silica direkt in eine dritte Schrägschnecke mit vergrößertem Einlaufstutzen, über die der bauseitig vorhandene Wiegebehälter beschickt wird. So gelangt schließlich das Produkt dosiert in die nachgelagerte Verarbeitungsstufe. Zur Steuerung des Materialflusses wurden an den Einläufen der Sammelschnecken und dem Auslauf der dritten Schrägschnecke pneumatisch betriebene Absperrklappen montiert. Die Anbindung der Sammelschnecken an die dritte Schrägschnecke, und der Produkteintrag in den Wiegebehälter wurden als geschlossenes System konstruiert, um Staubemissionen während des Materialtransportes auf ein Minimum zu reduzieren. Auf Wunsch des Betreibers wurden darüber hinaus in allen drei Schneckeneinläufen Füllstandsmelder installiert, durch die eine Leermeldung der beiden Big Bags ausgelöst wird.

Neben der Konzeption, Konstruktion und Fertigung übernahm Engelsmann die Montage und Inbetriebnahme der Anlage vor Ort sowie die Einweisung des Bedienpersonals. Neben dem geringen Koordinationsaufwand und dem reibungslosen Projektablauf überzeugten den Reifenhersteller die staubfreie und bedienfreundliche Konstruktion sowie der niedrige Wartungsaufwand der Anlagenlösung.

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