Projektbeschreibungen

Mobile Siebtechnik wenn`s eng wird

04/2015
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Die Produktion von Lebensmittelzusatzstoffen muss hohe Qualitäts- und Hygiene-anforderungen erfüllen. Einen wichtigen Stellenwert beim Herstellungsprozess hat daher die Schutzsiebung zur Vermeidung von Verunreinigungen des verkaufsfertigen Produkts, wie ein aktuelles Projekt des Siebtechnikherstellers J. Engelsmann AG zeigt.

Industrielles Sieben muss höchste Ansprüche an Leistung, Qualität und Wirtschaftlichkeit erfüllen. Spezifische Anforderungen hinsichtlich des Einsatzbereichs und des zu siebenden Produkts kommen hinzu. So auch bei der Herstellung von fetthaltigen Pulvermischungen, die von einem führender Hersteller in verschiedenen Ausführungen für die Verarbeitung in Lebensmitteln, wo Fettzutaten in Pulverform benötigt werden, produziert werden.

Die bisherige Schutzsiebung, um Agglomerate und Grobpartikel auszusieben, nahm der Hersteller mittels einer Vibrationssiebmaschine vor, die jedoch hinsichtlich ihrer Siebleistung nicht mehr den Qualitätsansprüchen genügte und zudem aufwändig zu handhaben war. Daraufhin entschloss man sich zu einer Ersatzinvestition, wobei das Nachfolgermodell exakt auf die beengten Verhältnisse am Aufstellort zugeschnitten sein musste, um vorhandene Anschlüsse weiter zu nutzen und aufwändige bauseitige Anpassungen zu vermeiden.

Versuche im Technikum ermöglichen maßgeschneiderte Maschinen-Lösung

Nach einem ersten Beratungsgespräch mit Engelsmann war der nächste Schritt zur Problemlösung der Gang ins Technikum, um die Siebfähigkeit der fetthaltigen Pulverprodukte zur Feststellung der geforderten Durchsatzleistung zu testen. Auf Basis der Versuchsergebnisse setzten die Engelsmann-Konstrukteure auf den Einsatz einer Langhubsiebmaschine des Typs Freischwinger, die aufgrund ihrer hohen Durchsatzleistung und der besonders präzisen und produktschonenden Siebung mit einem Aussiebegrad von bis zu 99% die gestellten Kundenanforderungen erfüllte.

Die Langhubsiebmaschine sollte unmittelbar unter einem bauseitigen Fließbetttrockner angeordnet werden, um mögliche Verklumpungen der unterschiedlichen Pulvermischungen nach dem Trocknungsprozess auszusieben. Um die geforderte Durchsatzleistung von 2,5 to. pro Stunde zu erreichen, wurde die Freischwinger-Siebmaschine mit vier hintereinander angeordneten Siebeinlegern mit Maschenweiten von 1,5 bzw. 3 mm und einer Siebfläche von 1,0 qm ausgestattet. Unterhalb des Siebgewebes wurde auf einem Wellengitter ein Kugelabreinigungssystem angeordnet, welches das Maschengewebe während des kontinuierlichen Siebvorgangs durchlässig hält. Die einzelnen Siebflächen werden mittels Prallklopfkugeln ab gereinigt, indem die Kugeln durch den horizontalen Siebvorgang der Maschine gegen das Maschengewebe geschleudert werden. Die Maschine verfügt über zwei Ausläufe für das Überkorn und die Gutware, wobei der Überkornauslauf über das Grundgestell hinausgeht, um die bauseitig vorhandenen Anschlussstellen weiter verwenden zu können. Das gesiebte Gutkorn wird zusätzlich über einen unter dem Gutkornauslauf befindlichen Metallabscheider auf Metallpartikel geprüft, so dass auch keine Metallteile in das verkaufsfertige Produkt gelangen können.

Mobiler Siebwechsel verkürzt Stillstandszeiten

Da die Verhältnisse am Aufstellort der Maschine sehr beengt und verbaut waren, verfügt die Freischwinger-Siebmaschine über eine geringe Bauhöhe und ein fahrbares Gestell, da bei wechselnden Produktchargen die Siebeinleger mit unterschiedlichen Maschenweiten ausgetauscht werden müssen. Um die Stillstandszeiten hierfür zu minimieren, wird die Maschine unter dem Trockner hervorgezogen und der mit Gasdruckfedern ausgestattete zweiteilige Deckel seitlich nach hinten aufgeklappt. Bei geöffnetem Deckel können die mit Pressleisten arretierten Siebeinleger mittels Schnellspanner schnell und einfach ausgewechselt werden. Für einen sicheren Stand der Maschine ist das Fahrgestell mit feststellbaren Lenkrollen und vier Gewindespindeln mit Handrädern zur Höhenverstellung ausgestattet, um die Maschine bei unebenem Boden ausnivellieren zu können.

Niedriger Energieverbrauch durch Schwungantrieb

Angetrieben wird die nur einen Meter hohe Langhubsiebmaschine über einen Elektromotor, der seine Kraft mittels eines Keilriemens auf eine mit Schubstangen versehende Schwungmasse überträgt, die exakt auf die Masse des Siebtrogs abgestimmt ist. Dank des auf dem Masseausgleich basierenden Antriebs (E-Motor) verbraucht die Maschine nur 0,55 KW bei 1 qm Siebfläche und unterliegt im Vergleich zu einem Motorgetriebe nur geringem Verschleiß.

Gemäß den hohen Hygieneanforderungen im Lebensmittelbereich, ist die Freischwinger-Siebmaschine in GMP-Ausführung mit geschliffenen und e-polierten Flächen (Ra < 0,8 µm) im Innenraum hergestellt worden. Zudem bestehen die produktberührten Teile aus Edelstahl und die Dichtungen aus FDA-konformem Material. Da die Maschine in explosionsgefährdeten Bereichen eingesetzt wird, ist die für die Verwendung in ATEX-Zonen (innen Zone 20, außen Zone 22) ausgeführt worden.

Schutzsiebmaschine JEL Freischwinger
im Überblick

Breite:                      1.500 mm
Länge:                      3.000 mm
Höhe:                       1.000 mm
Durchsatzleistung:    2,5 t/h
Siebfläche:                1,0 qm
Energieverbrauch:     0,55 KW